Das Wichtigste in Kürze
- Eine Interim-Geschäftsführung überbrückt die Zeit, wenn der Nachfolger noch nicht bereit ist, ein Verkauf vorbereitet wird oder der Inhaber früher aussteigt.
- Sie stabilisiert den Betrieb, macht das Unternehmen unabhängiger vom Inhaber, dokumentiert Wissen und bereitet Verkauf oder Übergabe vor.
- Typische Fehler sind ein zu später Start, ein Inhaber, der nicht loslassen kann, unklare Rollen und eine zu späte Kommunikation.
- Ein schriftlicher Übergabeplan führt von der Bestandsaufnahme über klare Rollen und Wissenssicherung bis zur geordneten Übergabe und zum Rückzug.
Inhalt
Im Mittelstand ist die Nachfolge oft die wichtigste unternehmerische Entscheidung – und eine der schwierigsten. Nicht immer passt der Zeitpunkt: Der Nachfolger braucht noch Erfahrung, ein Verkauf zieht sich hin oder der Inhaber möchte früher aussteigen als geplant. Eine Interim-Geschäftsführung kann diese Lücke schließen und das Unternehmen übergabefähig machen.
01Wenn die Nachfolge nicht nahtlos gelingt
Eine Nachfolge ist selten ein einzelner Stichtag. Oft treffen mehrere Faktoren zusammen. Typische Situationen, in denen eine Übergangslösung gebraucht wird:
- Die Tochter oder der Sohn soll übernehmen, braucht aber noch Zeit und Erfahrung.
- Ein externer Nachfolger ist noch nicht gefunden oder kann erst später starten.
- Ein Verkauf wird vorbereitet, und das Unternehmen soll bis dahin stabil und unabhängig vom Inhaber laufen.
- Der Inhaber will oder muss sich früher als geplant zurückziehen.
02Was ein Interim Geschäftsführer in der Nachfolge leistet
Das Tagesgeschäft läuft weiter, Entscheidungen werden getroffen, und Kunden, Banken und Team haben einen klaren Ansprechpartner.
Oft hängen Entscheidungen, Kontakte und Kundenbeziehungen an einer Person. Der Interim Geschäftsführer verteilt Verantwortung auf ein Führungsteam und schafft klare Rollen.
Was bisher nur im Kopf des Inhabers war, wird festgehalten: Prozesse, Konditionen, Absprachen und Eigenheiten wichtiger Kunden und Lieferanten.
Saubere Zahlen, eine nachvollziehbare Planung und eine Organisation, die ohne den Inhaber funktioniert, machen das Unternehmen für Nachfolger und Käufer attraktiver.
In der Familiennachfolge führt der Interim Geschäftsführer den Nachfolger schrittweise an die Verantwortung heran – und zieht sich planmäßig zurück.
03Familie, Management oder Verkauf
Welche Rolle die Interim-Geschäftsführung übernimmt, hängt vom Nachfolgeweg ab. In der Familiennachfolge überbrückt sie die Zeit, bis der Nachfolger bereit ist, und begleitet ihn. Bei einer externen Nachfolge hält sie das Unternehmen handlungsfähig, bis die dauerhafte Geschäftsführung startet. Beim Verkauf sorgt sie dafür, dass das operative Geschäft während des Prozesses nicht leidet und der Inhaber sich auf die Transaktion konzentrieren kann. In allen drei Fällen gilt: Die Interim-Geschäftsführung ist auf Zeit angelegt, und ihr Ende sollte von Anfang an feststehen – als Datum oder als klar definiertes Ereignis.
Hinweis
Steuerliche, erbrechtliche und gesellschaftsrechtliche Fragen der Nachfolge gehören in die Hände von Steuerberatung und Rechtsberatung. Dieser Ratgeber ersetzt keine solche Beratung.
04Typische Fehler in der Nachfolge
Eine Nachfolge braucht Vorlauf. Wer erst handelt, wenn der Inhaber ausfällt oder ein Käufer drängt, hat kaum noch Gestaltungsspielraum.
Offiziell ist übergeben, faktisch entscheidet weiter der Senior. Das verunsichert Team und Nachfolger gleichermaßen.
Wer entscheidet was – Inhaber, Interim Geschäftsführer, Nachfolger, Beirat? Ohne schriftliche Klärung entstehen Konflikte.
Kontakte, Konditionen und Erfahrungswerte, die nirgends dokumentiert sind, gehen mit dem Inhaber.
Team, Kunden und Banken erfahren aus zweiter Hand von der Nachfolge – und Vertrauen geht verloren.
Praxis-Tipp
Legen Sie schriftlich fest, wer ab wann was entscheidet – Inhaber, Interim Geschäftsführer und Nachfolger. Das verhindert, dass faktisch weiter der Senior führt.
05Der Übergabeplan in fünf Schritten
Bewährt hat sich ein klarer, schriftlich festgehaltener Ablauf, den Inhaber, Nachfolger und Interim Geschäftsführer gemeinsam tragen:
- BestandsaufnahmeBestandsaufnahme: Zahlen, Organisation, Abhängigkeiten vom Inhaber und offene Themen.
- Rollen festlegenRollen und Entscheidungswege festlegen – mit klaren Zeitpunkten, ab wann wer entscheidet.
- Stabilisieren & sichernStabilisieren und Wissen sichern: Führungsteam stärken, Prozesse und Kontakte dokumentieren.
- Einarbeiten oder verkaufenNachfolger einarbeiten oder Verkauf vorbereiten und Verantwortung schrittweise übertragen.
- Übergabe & RückzugÜbergabe und Rückzug: geordnete Übergabe mit dokumentiertem Stand und vereinbartem Ende des Interim-Mandats.
06Aus der Praxis
Als Managing Director von erlebe-fernreisen hat Jens Schneiders das Unternehmen in einer Dreier-Geschäftsführung zwei Jahre lang geführt, zuletzt in der Corona-Krise, und es trotz der externen Schockwirkung geordnet übergeben. Bei Klugo, dem Legal Tech der DEVK-Gruppe, wurden die neuen Strukturen zum Ende seines Interim-Mandats so übergeben, dass Management und Team sie eigenständig weiterführen. Genau darauf kommt es auch in der Nachfolge an: auf ein Unternehmen, das ohne die Person funktioniert, die es übergibt.


Jens Schneiders